Im Vergleich zu reinen Kunstlichtszenen sind Tageslichtberechnungen in der Regel schwieriger – aufgrund der dabei oft

auftretenden großen Unterschiede bei der Beleuchtungsstärke (im Vergleich  zu reinen Kunstlichtszenen). Hinzu kommt, dass

die Himmels-Hemisphäre nicht wie eine Leuchte als lokalisierte Lichtquelle behandelt werden kann.


Innerhalb von Radiance wird das Himmelslicht daher mit den Methoden der Indirektberechnung ausgewertet (im Gegensatz zur 

Sonne selbst, die aufgrund ihrer sehr großen Entfernung zwar nicht lokalisiert, aber zumindest mit einem definierten Richtungs-

winkel und ca. 0,5° Raumwinkel leicht als Lichtquelle modelliert werden kann).


Um den Tageslichteinfall in Räumen für Lichtberechnungen besser zu erfassen, empfiehlt es sich, für alle Tageslichtöffnungen

(Fenster und Oberlichter) zuerst eine Vorberechnung durchzuführen. Dabei wird die Öffnung allein betrachtet und eine Lichtstärke-

verteilungskurve berechnet, die den Tageslichteinfall richtungsabhängig unter Berücksichtigung des eingestellten Himmels und

Tageszeitpunkts sowie der äußeren Verbauungen (sofern sie modelliert sind) wiedergibt.


Dabei ist es wichtig, die Zahl der möglichen äußeren Interreflexionen korrekt einzustellen. Der eingestellte Mindestwert von eins

berücksichtigt nur das Himmelslicht selbst. Alle Objekte im Außenraum wirken dabei rein verschattend. Mit zwei (oder mehr) 

Interreflexionen kann zusätzlich von äußeren Objekten (Boden, Gebäuden oder direkt vor dem Fenster angebrachten Verbauungen)

reflektiertes Licht berücksichtigt werden.


Da die Vorberechnung Tageslichtöffnungen in lokalisierte Lichtquellen umwandelt, kann es beim Erstellen von Visualisierungen im

Zusammenhang mit spiegelnden Oberflächen zu störenden Glanzlichtern kommen. Deshalb besteht auch die Möglichkeit, diese 

Fenstervorberechnung auszuschalten. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Zahl der Interreflexionen auf drei bis fünf zu erhöhen 

(da nun auch die Interreflexionen im Außenraum mitberücksichtigt werden müssen) sowie auch die initiale Strahldichte heraufzu-

setzen (z. B. auf 800 bis 1.000 oder mehr).


Auch in Fällen, in denen Räume ganz große Tageslichtöffnungen haben, z. B. ganze Fensterfronten, die die gesamte Wand vom

Boden bis zur Decke einnehmen, kann es angebracht sein, die Fenstervorberechnung zu deaktivieren.